Nahezu unmittelbar neben dem Biotta Gemüsebau-Großbetrieb in Tägerwilen liegt das Familienunternehmen Beat Jud, das die Anzucht von ausschließlich biologisch produzierten Gemüsejungpflanzen in Tägerwilen betreibt.

Junges Unternehmen

Unser Betrieb ist ein junges und dynamisches Unternehmen, das 1990 gegründet und zunächst als Pachtbetrieb mit konventioneller Gemüseproduktion geführt wurde. Damals wurde mit einer Betriebsfläche von 285 schweizerischen Aren (2,85 ha) begonnen, die sich in 230 Are Freiland, 16 Are Hochglas und 9,60 Are Folienhäuser gliederte. Zu 60% wurden Gemüseprodukte und fertig kultivierte, zu 30% wurden Jungpflanze erzeugt.  Neben mir und meiner Ehefrau, waren eine Saisonkraft und ein Angestellter im Betrieb tätig.

Zwischen 1991 und 1997 wurde das produzierte Gemüse auf dem Wochenmarkt verkauft, es wurden Restaurants und die Gemüsezentrale Tägerwilen beliefert. 1992 folgte die Umstellung des Anbaus auf die integrierte Produktion. Nach dem Bau eines neuen Foliengewächshauses 1993 erhielten wir 1995 einen Lizenzvertrag für die Produktion von Bio-Jungpflanzen für die Bio-Gemüseanbauer der Umgebung. Die Grundsätze der biologischen Anzucht werden von der Bio Suisse, Basel, und durch die Hilfsstoffliste der Forschungsinstitute für Biologischen Landbau (FIBL), Frick, vorgegeben.

Ein Grundstück konnte dazu gepachtet werden. Zirka 1000m2 Gewächshausfläche und Abhärtungshalle folgten. Zur Zeit werden auf ungefähr 31000m2 Freilandfläche und ca. 5000m2 Glas- und Foliengewächhausfläche Jungpflanzen produziert. Eine Ausweitung der Glasfläche ist im Gang.

Im Lauf der Jahre hat sich viel verändert. Im Jahr 2016 haben wir nun15 Mitarbeiter auf 2 Vertriebe verteilt. Für die Transporte arbeiten wir mit einem Lastwagenunternehmen zusammen.

Richtlinien für die Bio-Jungpflanzenanzucht

1998 stellte der Betrieb ganz auf Bio-Anbau um. Die neue technische Errungenschaft war eine Profi-Topfpresslinie von Unger. Die Richtlinien für die Bio-Jungpflanzenanzucht gehen weit über die Vorgaben bei Düngung oder Pflanzenschutz hinaus. So wird für die biologische Erzeugung von Gemüsejungpflanzen biologisch vermehrtes und ungeheiztes  Saatgut verwendet. Der Saatgutlieferant hat dies nachvollziehbar zu bestätigen. Eine Pillierung des Saatguts ist zum Zweck der maschinellen Aussaat zwar gestattet. Diese Umhüllung darf aber keine Pflanzenschutzmittel enthalten, was ebenfalls vom Lieferanten bestätigt werden muss. Die Aussaat erfolgt entweder in Seedlings oder Erdpresstöpfe. Die besäten Jungpflanzenkisten werden im Frühjahr unter folien-und glasbedachten Flächen aufgestellt. Die Anzuchterde, auch als Bio-Erde bezeichnet, unterliegt ebenfalls einer vorgeschriebenen Zusammensetzung. Sie darf nur zu 70% aus Torf bestehen. Die restlichen 30% Bestandteile müssen aus Grünschnittkompost resultieren. In der Hilfsstoffliste sind Bezugslieferanten vorgeschrieben, die diese Voraussetzungen erfüllen. Auch ein deutsches Erdenwerk wird darin genannt. Organische Düngemittel, Pflanzenschutzpräparate, Nützlinge und Pflanzenstärkungsmittel müssen in der Bio-Jungpflanzenzucht, wenn sie überhaupt notwendig sind, der FIBL-Hilfsstoffliste entsprechen. Alles genannten Kriterien werden von der gleichen Einrichtung kontrolliert, die auch die gärtnerischen Fertigprodukte überprüft. Abnahmeverträge mit Nützlingslieferanten garantieren einerseits die sichere und zeitgerechte Lieferung desn entsprechenden Materials, und geben dem Lieferanten dieser Betriebsmittel verlässliche Eckdaten, die er für seine Nützlingsprduktion braucht.

Breite Palette an Gemüsejungpflanzen

Die Palette der produzierten Gemüsejungpflanzen im Betrieb Jud ist relativ groß. Sie reicht von Auberginen bis Zucchini und schließt zirka 35 Gemüsearten ein. Von Kohlrabi, Endivie, Spitzkraut, Lauch, Stangensellerie zum Beispiel werden ganzjährig Jungpflanzen für Gemüseproduzenten vorkultiviert Auch Gartenkräuter wie Basilikum und Petersilie sind im Jungpflanzen-Lieferprogramm. Auf Kundenwunsch und bei entsprechender Kalkulation werden auch weitere Pflanzenarten vorgezogen.
Im Jahr 2001 fand ein neuer Entwicklungsschritt statt. Es wurde eine Halle für die Lagerung von Erden und Kisten sowie für die Kommissionierung gebaut, Auf Seiten der Gerätetechnik kam eine Aussaatlinie für Speedlings hinzu. Und auch im Jahr 2002 gab es bei Beat Jud keinen Stillstand: Investiert wurde in eine neue Gerätelinie für die Aussaat in Einzeltopfe. Des Weiteren wurden 1’150 m2 Foliengewächshaus- und 960 m2 AbhärtungsfIächen errichtet.

Jungpflanzen-Vertrieb in eigener Regie

Die produzierten Jungpflanzen, insgesamt etwa 12 Mio. Pflanzen pro Vegetationsjahr, werden in eigener Regie, teils über Außenstellen zwischen Chur in Graubündeh und Luzern bis Basel vertrieben. Eine zusätzliche Depotstelle ermöglicht einen guten Ablauf der Logistik.
Etwa siebzig Kunden nehmen im Durchschnitt zirka 200.000 Pflanzen je Betrieb ab. Näher gelegene Produktionsbetriebe werden über einen Zubringerdienst erreicht. Auch Abholung im Jungpflanzenbetrieb selbst ist möglich. Beliefert werden vorwiegend biologisch produzierende Gemüsebaubetriebe der deutschsprachigen Schweiz.

Kontrollen

Die Überprüfung des gesamten Produktionsprozesses nach den Vorgaben der Bio Suisse ist ähnlich wie bei Bio-Gemüsefertigprodukten sehr umfassend. Sie wird von Bio Inspecta vorgenommen. Unter diese Kontrollen fallen auch die Überprüfung der Unterlagen zur Beschaffung der Pflanzenstärkungsmittel und Nützlinge. Kontrollen sind für das zu prüfende Unternehmen kostenpflichtig. Nachkontrollen im Fall unvollständiger Unterlagen bei der Erstprüfung werden zusätzlich berechnet einschließlich der Spesen und Kilometerbeträge für das benutzte Kraftfahrzeug. Insgesamt entstehen durch diese notwendigen Kontrollen beträchtliche Betriebsausgaben. Zu der Rendite der auf diese Weise hergestellten Jungpflanzen befragt, schmunzelte Beat Jud nur und stellte die Gegenfrage "Was glauben Sie, weshalb wir erweitern?"

Sortensichtung bei Salaten

Beat Jud engagiert sich über die eigene Jungpflanzenproduktion hinaus für seine Kunden in der Bewertung neuer Züchtungen für den praktischen Anbau. Der erste Salatversuch wurde 2000 angelegt. Von da an sollte die Demonstration alle zwei Jahre fortgeführt werden, wurde als Ziel festgelegt. 
 

Jud Bio-Jungpflanzen AG